Rahel Varnhagen von Ense, geb. Levin

Ein gebildeter Mensch ist nicht der, den die Natur verschwenderisch behandelt hat; ein gebildeter Mensch ist der, der die Gaben, die er hat, gütig, weise und richtig und auf die höchste Weise gebraucht: der mit festen Augen hinsehen kann, wo es ihm fehlt, und einzusehen vermag, was ihm fehlt.

 

In ihrem Elternhaus in Berlin gründete sie ihren ersten Salon (1790-1806). Hier trafen sich jede Woche Personen verschiedenster Gesellschaftsschichten, Herkunft und Religion um über Literatur, Kunst, Philosophie und Politik diskutierten. Im Unterschied zu anderen Salons gehörten auch Frauen zu den Gästen. Sie setzte sich mit diesen zwanglosen Zusammenkünften über die gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit hinweg.

Zu ihren berühmten Gästen zählten Wilhelm und Alexander von Humboldt, Friedrich Schlegel, Ludwig Tieck, Friedrich de la Motte Fouqué, der Fürst von Ligne und Prinz Louis Ferdinand.

Der Einzug der napoleonischen Truppen 1806 in Berlin beendete die Zusammenkünfte in ihrem Salon.

In ihrem zweiten Salon, der ab 1819 begann und die Bedeutung des ersten Salons nicht mehr erreichte, verkehrten zum Beispiel Familie Mendelssohn, Eduard Gans, Ludwig Börne, Fürst Hermann von Pückler-Muskau und Heinrich Heine.

Nach Ansicht ihrer Zeitgenossen war sie eine der geistreichsten Frau Europas. Ihr Salon wurde zu einer „Republik des freien Geistes“.

Als Schriftstellerin pflegte sie vor allem die Gattungen Tagebuch und Brief. Ihre ausgedehnte Korrespondenz mit Freundinnen und Freunden wurde nach ihrem Tod in Buchform durch ihren Mann, den Diplomaten, Historiker und Publizisten Karl August Varnhagen von Ense veröffentlicht.